Die symbiotische Beziehung zwischen Elwetritsche und dem Leuchtmoos (Schistostega pennata) in Buntsandsteinhöhlen
Die symbiotische Beziehung zwischen Elwetritsche und dem Leuchtmoos (Schistostega pennata) in Buntsandsteinhöhlen
Ein Beitrag aus der Abteilung für Angewandte Krypto-Botanik des Instituts für Pfälzer Fabelwesen-Forschung.
Verehrte Leserschaft, liebe Freunde des Unerforschten! Wer des Nachts durch den Pfälzerwald streift, der weiß um die besonderen Geheimnisse, die sich unter dem dichten Blätterdach verbergen. Doch eine der faszinierendsten und zugleich am wenigsten verstandenen Partnerschaften der Natur findet im Verborgenen statt: in den dunklen, feuchten Felsspalten und Höhlen aus Buntsandstein. Es ist die tiefgreifende, mutualistische Beziehung zwischen unserem heimischen Wappentier, der Elwetritsch (Avis pedum-palmaticum palatinensis), und dem geheimnisvollen Leuchtmoos (Schistostega pennata).
Das Leuchtmoos: Ein smaragdgrünes Leuchtfeuer
Bevor wir zur Sache kommen, gell, müssen wir uns das Moos mol genauer anschauen. Das Leuchtmoos, von den Botanikern oft als “Koboldgold” bezeichnet, ist an sich schon ein Naturwunder. Es leuchtet nicht selbst, wie etwa ein Glühwürmchen. Vielmehr besitzt es spezialisierte, linsenförmige Zellen (Protonema), die das spärliche Licht, das in die Höhleneingänge fällt, bündeln und wie winzige Katzenaugen zurückwerfen. Das Ergebnis ist ein unheimliches, smaragdgrünes Glimmern, das den Eindruck erweckt, die Höhle selbst würde von innen heraus leuchten.
Für den Menschen ein zauberhafter Anblick – für eine Elwetritsch überlebenswichtig.
Die Elwetritsche als Gärtnerin und Düngemittel-Lieferantin
Wie jeder Kenner weiß, ist die Elwetritsche ein scheues, nachtaktives Wesen. Ihre Nistplätze legt sie bevorzugt in geschützten, dunklen und schwer zugänglichen Felsspalten und kleinen Höhlen im Buntsandstein an. Hier stellt sich die entscheidende Frage, die unsere Forschung seit Jahren umtreibt: Wie orientiert sich die Tritsch in der fast absoluten Dunkelheit ihrer Kinderstube? Die Antwort liegt im Guano.
Ja, richtig gelesen! Der Kot der Elwetritsche, in Fachkreisen als “Tritsche-Guano” bekannt, ist der Schlüssel zu allem. Er ist außerordentlich reich an Phosphaten und Stickstoff, was auf die spezielle Ernährung der Elwetritsche aus Woibeere, Grumbeere und den besten Riesling-Schnecken zurückzuführen ist.
Diese Nährstoffbombe fällt auf den kargen, feuchten Sandsteinboden der Bruthöhle und schafft so die perfekte Grundlage für das Gedeihen des Leuchtmooses. Während das Moos außerhalb der Höhle nur an wenigen, zufälligen Stellen wächst, findet man in aktiven Elwetritsche-Nistplätzen wahre Teppiche von Schistostega pennata. Die Elwetritsche ist also nicht nur Bewohnerin, sondern aktive Kultivatorin und Gärtnerin ihres eigenen Leuchtmittels.
Eine Win-Win-Situation: Die Symbiose im Detail
Diese Partnerschaft ist ein Paradebeispiel für eine mutualistische Symbiose, bei der beide Partner voneinander profitieren. Betrachten wir die Vorteile im Einzelnen:
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Vorteile für die Elwetritsche:
- Orientierungslicht: Das sanfte, diffuse Licht des Mooses ermöglicht es den Elwetritschen, sich in der Höhle zu bewegen, ihren Partner zu finden und das Nest zu versorgen, ohne dabei grellem Licht ausgesetzt zu sein, das Fressfeinde (wie den Pfälzer Waldkauz oder marodierende Touristen) anlocken könnte.
- Nestklima-Indikator: Die Leuchtkraft des Mooses ist direkt von der Feuchtigkeit abhängig. Ein stark leuchtender Moosteppich signalisiert der Elwetritsche-Henne ein optimales Mikroklima für ihre empfindlichen Eier.
- Beruhigende Wirkung: Feldbeobachtungen und Tonaufnahmen deuten darauf hin, dass das sanfte, grüne Licht eine beruhigende Wirkung auf die frisch geschlüpften Küken hat, deren Augen noch sehr lichtempfindlich sind. Man könnte es als “magisches Nachtlicht” der Natur bezeichnen.
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Vorteile für das Leuchtmoos:
- Kontinuierliche Nährstoffzufuhr: Der regelmäßige Eintrag von Tritsche-Guano garantiert eine stetige Düngung, die dem Moos an solch kargen Standorten ein üppiges Wachstum ermöglicht.
- Verbreitung: An den gefiederten Beinen und dem Gefieder der Elwetritschen bleiben Sporen des Mooses haften. Wenn die Elwetritsche neue Nistplätze sucht oder zwischen verschiedenen Höhlen wechselt, verbreitet sie das Moos aktiv im gesamten Wald. Man kann dies als eine Art “Moos-Taxi” betrachten. Siehe hierzu auch unsere laufende Studie zur Verbreitung und Migration der Elwetritsche.
Fazit: Eine uralte Allianz im Herzen der Pfalz
Die Beziehung zwischen Elwetritsche und Leuchtmoos ist weit mehr als ein biologischer Zufall. Sie ist eine über Jahrtausende gewachsene, hochentwickelte Partnerschaft, die das Überleben beider Spezies im Ökosystem Pfälzerwald sichert. Sie zeigt uns, dass die Elwetritsche nicht nur ein Fabelwesen für Touristenbelustigungen im Rahmen der Elwetritsche-Jagd ist, sondern ein intelligenter und integraler Bestandteil unserer heimischen Fauna mit komplexen Verhaltensweisen.
Alla hopp, un’ wenn Sie das nächste Mal im Wald unterwegs sind und aus einer Felsspalte ein geheimnisvolles, grünes Licht schimmert, dann wissen Sie: Sie sind nicht allein. Seien Sie leise, machen Sie bloß kein Licht mit Ihrer Handytaschenlampe und genießen Sie den Anblick. Vielleicht, mit ganz viel Glück, huscht ja eine kleine Tritsch vorbei, um nach ihren leuchtenden Gärten zu sehen.
Quellen und weiterführende Literatur
- Wikipedia-Eintrag zu Schistostega pennata (Leuchtmoos)
- Pfaelzer-Elwetritsche.de: Die offizielle Homepage der Fachschaft Elwetritschologie
- Wanderführer Geheimnisvoller Pfälzerwald, Verlag Pälzer Buwe, Neustadt a.d. Weinstraße
- Jahrbuch für pfälzische Kryptozoologie, Band IV, “Guano als Kultivator”, 2019